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Archive for Dezember 2010

Liebe Freunde,

2010 war ein schwieriges Jahr. Das Gute und das Schlechte haben sich die Waage gehalten. Ich habe einige neue Erfahrungen gemacht und musste anderes aufgeben, weil die Kraft einfach nicht mehr reichte. Im Oktober dachte ich ein paar Wochen lang, dass es mich zerlegt. Aber ich habe mich noch mal gefangen mithilfe von Mutter, Susanne und Medikamenten. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür und ich bin dankbar für eine 2 1/2-wöchige Atempause. Ich freue mich schon aufs Gänseessen und auf nicht immer weihnachtliche Gesänge mit meiner guten Freundin Sabine (die sich in den letzten Jahren durch Gesangsstunden einen unfairen Vorteil verschafft hat).

Ein Resümee, ein Resümee: Ich habe die Neigung, mir zu viel aufzutun. Im Jahr 2009 begann ich mit Augusta Laar ein wunderbares Veranstaltungsprojekt: Schamrock – Salon der Dichterinnen. Anderthalb Jahre habe ich durchgehalten. Wir hatten große Zukunftspläne, z. B. ein Lyrikerinnenfestival im Jahr 2012. Aber nach der 6. Veranstaltung im Juli ist mir die Puste ausgegangen, sodass ich mich aus dem Projekt zurückziehen musste. Augusta wird versuchen, dass Projekt fortzusetzen. Aber wie immer ist es eine Geldfrage. Ohne Subventionen sind derartige Veranstaltungsreihen leider nicht finanzierbar. Zwei Jahre lang wurden wir vom Kulturreferat München umfassend unterstützt, was eine unglaublich große Hilfe war. Aber es gibt Regeln. Und eine besagt, dass man ab dem dritten Jahr auch andere Fördermittel auftun muss. Schwierig, wenn nicht gar tödlich für ein Projekt.

Ein positives Ereignis des Jahres war, dass im Frühjahr 2010 die Anthologie „Der Garten der Poesie“, die Anton G. Leitner und ich bei dtv herausgegeben haben, als wunderschönes Hardcover mit Lesebändchen neu aufgelegt wurde. Darüber bin ich wirklich besonders froh. Auch über die neue Poesie 21-Wettbewerbssammlung „Sommer regnet aufs Banjo“ (Poesie 21 bei Steinmeier) freue ich mich sehr. Im Jahr 2009 habe ich meine Lektoratstätigkeit vor allem in der Poesie 21-Reihe ausgebaut. Ich betreue hier vor allem (aber nicht nur) Bände mit gereimten Gedichten. Unter den Lyriktiteln, die ich lektorierte, sind „Ohne Luft gäb’s keine Luftikusse“ und „Die Natter lag in einem Topf“ von Diter von Kutzschenbach, „Rolle du Knolle“ von Josef Hader, „Birken stehen in Gruppen“ von Eva Höcherl, „engel aussetzen im himmel“ von Stefan Schwarzmüller sowie das hocherotische Mammutprojekt „Instinktiv lasziv“ von André Pfoertner. Das waren kreative Aufgaben, die mir viel Freude gebracht haben.

Aber all das kann das eigene Schreiben nicht aufwiegen. Und damit hatte ich in diesem Jahr auch wieder so meine Probleme. Das Nicht-Vorankommen ist bekanntermaßen eine schmerzliche Angelegenheit und die damit einhergehenden Zweifel können vernichtend sein. In Sachen Lyrik ist in eigener Sache kaum was passiert. Ich habe bis dato im Jahr 2010 19 Gedichte geschrieben. Das ist nicht viel. Darunter waren etliche Haikus, aber auch eine Magdalenen-Elegie. Außerdem habe ich begonnen englische Lyrics zu schreiben, die qualitativ noch nachhängen. Mit meinem Roman bin ich etwas vorangekommen. Gerade habe ich das 8. Kapitel beendet, das mich sehr glücklich macht, weil es so böse ist. 360 Seiten geschrieben, 160 p. to go. Ich hoffe, dass ich einen Agenten und einen Verlag finde. Die Prosa soll eines Tages meine Rente finanzieren. Wenn das nicht klappt, muss ich mich doch noch umbringen – oder Banken überfallen. Ob man im Knast der Zukunft schreiben darf?

Schmerzhaft und erniedrigend war in diesem Jahr die Begegnung mit dem Literaturport www.literaturport.de . Eine Freundin hatte mir empfohlen, mich dort um die Aufnahme in die Autorendatei zu bewerben. Aber ich wurde abgewiesen. Autsch! Dadurch lernte ich es wieder zu schätzen, dass ich der Spross einer Berliner Arbeiterfamilie bin. Denn aus der Wut heraus ist dieser Blog entstanden, und mein Facebook-Auftritt, als fröhliche „Leck mich am Arsch“-Reaktion. Im Kürschner’s bin ich ja drin. So what?

Gut war auch der der Dreh des Forellen-gedichtclips auf YouTube. Dank an Mastermind AGL, Kameramann Richard Westermaier und meine Freunde Johanna und Phil für die Badewanne. http://www.youtube.com/watch?v=kmIpsQ-7Eyw . Gut sind die 1300 Clicks, gut auch dass diese Clicks aus fast allen Kontinenten kommen, Schlecht ist, dass mich die Afrikaner nicht mögen. Afrika, click die Forelle an!

Banale Dinge: Schlecht war die Heizkosten-Nachzahlung im Frühjahr; gut war, dass mir meine Mama aus der Patsche geholfen hat. Gut waren die Anschaffung eines neuen Kühlschranks und der Einbau neuer Fenster und die daraus resultierenden Energiekosteneinsparungen. Schlecht ist der Schimmelbefall meiner Wände, der Chlorgestank durch das Gegengift. Schlecht ist auch die Tatsache, dass ich mit der Renovierung der Wohnung wieder nicht so vorangekommen bin, wie ich gehofft habe. Gut ist, dass ich gelernt habe, wie man Wände glatt verputzt.

Gut ist auch, dass ich durch Facebook mit meinen Theater Flambé-Freunden und mit meinem Neffen besser Kontakt halten kann.

Schlecht ist, dass mir manchmal alles über den Kopf wächst. Gut ist, dass ich Mitte des Jahres mit dem Bogenschießen begonnen habe und dass ich bis zum Schneefall regelmäßig joggen war. Schlecht ist, dass ich trotzdem mein Gewicht nicht halten konnte. Schlecht ist auch, dass ich momentan gar kein Geld mehr habe, um mal wieder richtig Urlaub zu machen. Gut ist, dass ich immer noch fähig bin, aus Erfahrungen zu lernen. Ich freue mich aufs nächste Jahr 2011 ;-D.

Ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht Euch,
Gabi T.
München, 18.12.2010, 21:23 Uhr

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