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Archive for Juli 2010

Am Sonntag, den 25. Juli 2010 öffnete Schamrock – der Salon der Dichterinnen zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Pforten. Diesmal waren die Schriftstellerinnen Lydia Daher, Andrea Heuser und Anja Tuckermann auf der Kleinen Bühne der Pasinger Fabrik zu Gast.

In der ersten Hälfte der Veranstaltung stellten sie eigene Gedichte vor. Die Journalistin Katja Sebald schrieb zu den Lesungen der Autorinnen im Münchner Merkur (Würmtal-Ausgabe) vom 27. Juli:

über Lydia Daher: »Wären am Sonntag Jugendliche im Publikum gesessen, sie hätten wohl insbesondere durch Lydia Daher ›Lust auf Lyrik‹ bekommen: Die 30-Jährige wurde nämlich nicht nur für ihre Gedicht bereits mehrfach ausgezeichnet, sie gilt seit ihrer Debüt-CD ›Lydia Daher‹ auch als ›die Entdeckung der deutschen Popmusik‹. Ihre wunderbar lapidaren Texte, für die sie ›Worte findet, nachts unter einer Cordhose‹ zeichnen sich durch ihre sehr leise Poesie und ihre ausgesprochen charmante Schnodderigkeit aus: Sie sind kleine Alltagsbeobachtungen, ihre klugen Wahrheiten sind wie ›Windspiele aus Marmor‹ oder wie ›eine Pfütze mit drei Zigaretten‹«.

über Andrea Heuser: »Mit Sprachklang, mit der Schönheit einzelner Worte, aber auch mit der Musik der Wortfolgen bestechen die Gedichte der Literaturwissenschaftlerin Andrea Heuser: Mit ›Löwenzahnwiese, Ginster und Flieder‹ oder ›Kuchen, Limo und Beinen‹ entwirft sie bezaubernde Sommerwortbilder, sie schreibt in ihrer ›Altkleidersprache‹ über den Zauber, der sich zuweilen zwischen ›Gartenschaukel‹ und ›Hintertür‹ versteckt«.

über Anja Tuckermann: »Die Kindheit mit ihren Traum- und Bilderwelten lebt in den Gedichten von Anja Tuckermann weiter: Sie erzählt von einem ›alten Kater im Dorf auf dem Hügel‹ und von der ›Schildkröte, die es sich unter ihrem Panzer gemütlich macht‹. Sie besucht ›Zwerge, die unter Wurzeln wohnen‹ und lässt ›ein Gewitter auf langen dünnen Beinen über den Berg wandern‹«.

Im zweiten Teil folgte eine Gesprächsrunde, bei der die Autorinnen über ihre Erfahrungen mit Lyrik-Workshops an Schulen und in Jugendzentren berichteten. Dabei stellte sich heraus, dass die Dozentinnen mithilfe des Kreativen Schreibens in wenigen Stunden oft näher an einzelne Schüler herankamen als deren Lehrer in mehreren Jahren. Lydia Daher berichtete von einem Jungen in einer 8. Klasse, der von sämtlichen Schülern und Lehrern bereits aufgegeben worden war, und der innerhalb eines Schreibkurses so bemerkenswerte Gedichte verfasste, das er plötzlich ganz anders wahrgenommen wurde. Auch schüchterne Schüler hätten hier die Gelegenheit, sich von einer unbekannten Seite zu zeigen. Einhellig berichteten die Autorinnen, dass ein Schreibkurs das Gruppengefüge einer Klasse komplett verändern könne, dass vermeintliche Underdogs und Loser in den Augen ihrer Mitschüler erheblich an Achtung gewinnen könnten, weil sie unvermittelt Seiten zeigen, die sie vorher verborgen hielten. Aber auch große familiäre Probleme würden bisweilen offen gelegt werden, bis hin zum schweren Missbrauch, so Anja Tuckermann. Und Andrea Heuser bestätigte, die bittere und schmerzliche Seite an dieser Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei die Endlichkeit des Projekts. Zum Schluss müsse man die Schüler mit ihren Problemen zurücklassen. Es bleibe die Hoffnung, dass man etwas bewegt und einen ersten Anstoß gegeben habe.

Aus der Moderation:

Es gibt mehrere Wege, wie man das Sprachvermögen von Kindern fördern kann. Die Stiftung Lesen ist eine der wichtigsten Institutionen zur Leseförderung. Auch die wissenschaftliche Untersuchung des Leseverhaltens in Deutschland ist eines ihrer Anliegen. Eine Studie aus dem Jahr 2008 ergab, dass jeder vierte im Land niemals ein Buch liest. Darüber hinaus erklärten 45 Prozent der 14- bis 19-Jährigen, dass sie als Kind nie ein Buch geschenkt bekommen haben.

Die PISA-Studie des Jahres 2006 lieferte auch keine erfreulichen Ergebnisse: Danach verfügten 20 Prozent der 15-Jährigen nicht über die notwendige Lesekompetenz, um in der Schule gut zurechtzukommen oder sich für einen Beruf zu qualifizieren.

Das Problem beginnt schon im Vorschulalter. Kinder werden am einfachsten zu begeisterten Lesern durch regelmäßiges Vorlesen. Aber bei einer Untersuchung aus dem Jahr 2007 gaben 42 Prozent der befragten Eltern an, ihren Kindern nur sporadisch oder gar nicht vorzulesen. Was im frühkindlichen Alter versäumt wird, kann später nur mit Mühe nachgeholt werden. Denn das Erzählen und Vorlesen in der frühen Kindheit formt wichtige neuronale Strukturen im Gehirn, die für den Spracherwerb und die Lernfähigkeit zuständig sind. Außerdem werden Konzentration, Phantasie und Ausdrucksfähigkeit geschult. Gleichzeitig vermittelt dieses Erlebnis, das Eltern und Kinder teilen, ein tiefes Gefühl von Geborgenheit und Nähe. Vorlesen ist der Schlüssel dafür, dass Kinder frühzeitig eine positive Einstellung zum Lesen entwickeln.

Man kann natürlich auch noch einen Schritt weiter gehen, indem man versucht, in Kindern eine eigenständige schöpferische Kraft zu mobilisieren. Denn ob sie nun schreiben, basteln oder musizieren: Kreativsein formt die Persönlichkeit. Auch hier gilt: Durch vielseitige Anregung werden die Nervenzellen im Gehirn stärker ausgebildet und in alle Richtungen miteinander verknüpft. Je mehr Nervenzellen und Verknüpfungen sich ausbilden, umso flüssiger fließen die Gedanken. Kreative Kinder haben viel Selbstvertrauen und wenig Angst. Sie sind lebendig und neugierig, sie verhandeln mit anderen, hören zu, verfolgen eigene Ideen, aber sie lassen auch mal andere Wege gelten. Mit ihrer so erlernten Kommunikations- und Teamfähigkeit, mit Flexibilität, Sensibilität, Fantasie und Reflexionsvermögen zeigen diese Kinder Eigenschaften, die auch jedem Erwachsenen gut zu Gesicht stünden. Über kurz oder lang könnte davon eine ganze Gesellschaft profitieren.

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P r e s s e e r k l ä r u n g

München, den 11. Juli 2010

Schamrock – Salon der Dichterinnen
Drei Autorinnen lesen Lyrik und erklären, wie aus Kindern Poeten werden.

München – Am 25. Juli 2010 präsentiert Schamrock, der Salon der Dichterinnen, in der Pasinger Fabrik drei engagierte Autorinnen, die Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 18 die Kunst des Schreibens vermitteln.

Pop-Poetin Lydia Daher (Augsburg), München-Stipendiatin Andrea Heuser (München) und Jugendliteraturpreisträgerin Anja Tuckermann (Berlin) stellen eigene Gedichte vor und geben Einblicke in ihre Methoden bei Lyrikwerkstätten an Schulen: Wie ermutigt man Kinder, aus ihrer Erlebniswelt Verse zu formen? Hierzu nutzen die Autorinnen alle Erfahrungen, die sie beim Schreiben von Songs und Kinderopern oder beim Verfassen von Lyrik und Jugendromanen gesammelt haben. Anhand von Beispielen zeigen sie, dass in jedem Kind ein Dichter steckt: »Zuhause ist Mama. | Wir haben einen Kaktus. | Einen Kaktus kann man | nicht streicheln. Man kann | auch nicht mit ihm kuscheln. | Aber ich sage ihm Gute Nacht. | Er wächst jeden Tag einen Meter. | Er ist schon an die Wand gewachsen. | Er wächst aus dem Fenster raus. | Wenn ich in die Schule geh, | dann guckt er mir hinterher.« Paulina, 7 Jahre

Für die Veranstalterinnen Augusta Laar und Gabriele Trinckler, ist es eine Herzenssache, auf der Kleinen Bühne der Pasinger Fabrik viermal im Jahr Dichterinnen aller Generationen vorzustellen. Die beiden Münchner Autorinnen schaffen mit Schamrock, dem Salon der Dichterinnen, ein regelmäßiges Präsentationsforum. «Wir bauen ein internationales Netzwerk für Dichterinnen jeden Alters auf», erläutert Gabriele Trinckler, die den Abend am 25. Juli 2010 moderieren wird. In Lesungen und Diskussionen sollen Lyrikerinnen der Frage nachgehen, welche Funktionen Frauen in der Kommunikation übernehmen und wie sie im multimedialen Zeitalter zur Literaturförderung beitragen können. «Gerade die Jüngsten entwickeln oft eine große Freude am Spiel mit Worten», meint Laar. «Wir sollten Wege finden, ihre Sprachlust zu erhalten. Kinder können dichten.»

Das Projekt wird mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München und in Kooperation mit der Pasinger Fabrik GmbH realisiert.

Internet: www.schamrock.org

Schamrock – Salon der Dichterinnen. Kinder können dichten
Sonntag, 25.07.2010, 19:00 Uhr, Kleine Bühne, Pasinger Fabrik
Lyrik von Lydia Daher, Andrea Heuser und Anja Tuckermann
Moderation: Gabriele Trinckler
Eintritt: € 8,- / 6,- , Kartenvorbestellung: 0 89 / 829 290-79 

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